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Up in the air – Über Flugangst und warum ich mich jetzt sogar ein kleines Bisschen auf meinen Flug freue

Flugangst

Früher habe ich Flugängstliche belächelt. Wenn ich heute darüber nachdenke finde ich das schrecklich gemein und schäme mich  für meine frühere Denkweise. Heute weiß ich: Man sollte andere nie für ihre Ängste belächeln! Früher dagegen konnte ich die Angst schlichtweg nicht nachvollziehen. Ich fühlte mich im Flugzeug sicher, „das bisschen Gewackel“ machte mir selbst bei Turbulenzen nichts aus. Ich habe Flüge sogar meist genossen, habe aus dem Fenster gesehen, fasziniert davon wie die Welt unter mir immer kleiner wurde und erfreute mich an den fluffigen Wölkchen.

Doch dann kam der eine Flug, der alles veränderte. Ich weiß noch wie ich vor Erleichterung weinte als wir endlich am Boden waren weil ich nicht mehr damit gerechnet hatte. Schlimmste Turbulenzen und ein Gewitter irgendwo um uns rum. Draußen sah man gar nichts mehr, aber man fühlte wie das Flugzeug immer wieder mehrer Meter in alle möglichen Richtungen schwankte. Es folgten Gespräche mit Leuten, die ebenfalls Horrorszenarien zu berichten hatten und meine Angst wuchs. Die nächsten Flüge wurden immer begleitet von panischen Tränenausbrüchen. Wochen vor einem Flug träumte ich vor Abstürzen und vor dem Flug am Gate brach ich regelmäßig in Tränen aus, weil es sich anfühlte als stünde mein Tod kurz bevor und ich wollte einfach noch nicht sterben. Ich machte sich ein falsches Gefühl in mir breit was mir sagte der nächste Flug könnte auch wieder so schlimm werden (obwohl es viel wahrscheinlicher ist einen ganz normalen Flug zu erleben), ich hatte Angst wieder Angst zu haben. – Fehler Nr. 1

Seither mied ich Flugreisen so gut es ging. Ich machte sie nur wenn sie absolut notwendig waren, setze mich für Ziele wie London und co. lieber Stunden lang in einen Bus. – Fehler Nr. 2 (Vermeidungsverhalten)

Da ich wusste dass Vermeidungsverhalten die Angst nur bestärkt, zwang ich mich ab und zu trotzdem zu fliegen. Manche Flüge gelangen mir jedoch nur unter Valium-Einfluss. – Fehler Nr. 3

Aber in letzter Zeit habe ich mich mit meiner Flugangst auseinandergesetzt. Als Psychologiestudentin weiß ich aus der Theorie: Ängste sind gelernt und können somit auch wieder verlernt werden. So weit, so gut, aber wie mache ich das?

Zunächst ein Mal: Ich weiß, dass meine Angst unbegründet ist. Ich weiß ein Flugzeug ist sicher und die Fortbewegung damit ist viel sicherer als etwa mit dem Zug, dem Bus, dem Auto oder dem Fahrrad. Mir ist also klar, dass ich zu unrecht Angst habe, dennoch spielt mein Körper diese Spielchen mit mir und macht mich eben physisch ängstlich. Meine Bauchmuskeln verkrampfen sich, mein Herz schlägt schneller, ich atme aufgeregt und werde zittrig. Ich weiß z.B. das ein Autounfall viel wahrscheinlicher ist, dennoch habe ich derartige körperliche Empfindungen im Auto nie. Dort fühle ich mich irgendwie als hätte ich es selbst in der Hand, wenn ich nur die Hände am Steuer hab. Aber das ist schlicht und ergreifend Quatsch!

In den letzten Wochen habe ich mich mit allem rund ums Fliegen beschäftigt. Wie fliegt ein Flugzeug, was hat es für Technik, wie oft wird es gewartet, was passiert wenn ein Tirebwerk ausfällt? Ich habe Hörbücher zu dem Thema gehört und Bücher gelesen. Habe mir Entspannungstechniken angeeignet, von denen ich sonst gesagt habe „Ja nee, dann mach ich so ne dumme Atemübung und dann hab ich keine Angst mehr? Ist klar!“ und tatsächlich fühle ich mich für meinen morgigen Flug gut vorbereit. Das schlimme am Flug finde ich was mit meinem Körper passiert. Die Energie die sich aufbaut in einem Angstmoment – Fight or Flight, doch beides ist im Flugzeug nicht möglich – und anstaut. Aber ich denke ich weiß jetzt wie ich das verhindere bzw. dem abhelfe. Ich weiß, dass Anspannung und Entspannung nicht gleichzeitig funktionieren und auf Anspannung immer Entspannung folgt. Sodass zum Beispiel ein kurzzeitiges Anspannen aller Muskeln danach ein Leichtigkeitsgefühl durch meinen Körper trägt.

Ich habe also in der Theorie gelernt mir durch dieses Gefühl hindurch zu helfen. Und jetzt freue ich mich sogar ein wenig auf meinen morgigen Flug. Da er mir die Chance bietet mich meinen Ängsten zu stellen und vielleicht nach und nach meine Angst wieder zu verlieren.

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